Das SAR Team der AQUARIUS: „Das ist meine Pflicht“

Das SAR Team der AQUARIUS: „Das ist meine Pflicht“

von Gerd Knoop


Das ist meine Pflicht!“ antwortet mir Majd, als ich ihn frage, warum er Mitglied des Search and Rescue-Teams an Bord der AQUARIUS werden wolle. Wir sitzen bei einem Kaffee in der Mensa der Bremer Hochschule für Nautik. Majd hatte den Flyer von SOS MEDITERRANEE im Büro des AStA gelesen und mich angerufen, um zu erfahren, wie er die Rettungseinsätze im zentralen Mittelmeer unterstützen könne.

Majd Hamwi, 27 Jahre, Seemann, Syrer, Mitglied des SAR-Teams an Bord der AQUARIUS, © Patrick Bar

Majd Hamwi, 27 Jahre, Seemann, Syrer, Mitglied des SAR-Teams an Bord der AQUARIUS © Patrick Bar

Majd Hamwi ist Seemann, 27 Jahre alt und kommt aus Damaskus. Seine Patente als Nautiker hat er an den Universitäten Latakia, Syrien, und Alexandria, Ägypten, erworben. Weil das weiterführende Studium in seiner Heimat unmöglich ist, ist er nach Bremen gekommen, um den Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur für Seeverkehr zu absolvieren. Ende des Jahres wird Majd sein Diplom und das Patent „Kapitän auf Großer Fahrt“ erhalten.

Wir sind uns schnell einig. Es gibt nichts abzuwägen, keine langen Diskussionen. Majd möchte an Bord, je eher, desto besser. Wir einigen uns darauf, dass Majd in Marseille einsteigt, die Überführung der AQUARIUS über Palermo und Lampedusa ins Rettungsgebiet vor der libyschen Küste und die ersten drei Wochen SAR-Einsatz mitmacht. Zusammen mit den anderen Mitgliedern des Rettungs- und des medizinischen Teams sowie der Crew. Nach den drei Wochen wird ihn sein Freund Majd Janad ablösen, ebenfalls aus Syrien und Student in Bremen.

An Bord kennt sich Majd aus, er geht Wache, besetzt den Ausguck. Boote, Motoren und Rettungsausrüstung werden regelmäßig für den Einsatz kontrolliert, Proviant wird verstaut, Decken, Socken und warme Kleidung werden für den Seenotfall sortiert. Medizinische Ausrüstung wird für den schnellen Zugriff geordnet, Feuer- und Bootsmanöver werden gefahren. Die Zusammenarbeit ist kollegial, freundschaftlich, professionell.

Am 7. März ist es soweit. In den Morgenstunden informiert die Rettungsleitstelle in Rom, dass ein Schlauchboot vor der libyschen Küste in Seenot geraten ist. Die AQUARIUS nimmt Kurs auf die Unglücksstelle. 74 Menschen aus Gambia, Senegal, Mali und Sierra Leone werden gerettet. Wenige Tage später, am 15. März, wird die AQUARIUS zum zweiten Rettungseinsatz geordert. 119 Menschen werden gerettet. Darunter 13 Frauen, 28 Jugendliche, 2 Kleinkinder und 2 Säuglinge, fast alle aus Westafrika.

Majd ist stolz darauf, dabei zu sein. Und froh darüber, dass auch durch seinen Einsatz die Rettungseinsätze ohne Verletzungen reibungslos ablaufen und die Geretteten sicher nach Sizilien gebracht werden können. Dass er als Seemann seinen Teil dazu beitragen kann, das Gebot der Seenotrettung wahrzumachen, seine humanitäre Pflicht erfüllen zu können.

Davon berichtet Majd nach seiner Rückkehr. Auch vor fast 100 Gästen des Hafenclubs der Bremischen Hafenvertretung. Die versammelten Transport-, Hafen- und Logistikmanager*innen hören der Geschichte des jungen syrischen Seemannes über seinen Einsatz an Bord der AQUARIUS  gebannt zu. Sie klatschen Beifall und zollen ihm Respekt. Einige von ihnen werden weiterhin SOS MEDITERRANEE unterstützen, einige werden sich nach dem Gehörten dazu entscheiden. Shokran Majd!

SOS MEDITERRANEE_Search and Rescue Team

Mitglieder des Einsatzteams an Bord: Jean (Frankreich), Zen (Äthiopien), Majd (Syrien), Clément (Frankreich) © Patrick Bar

Erfahren Sie hier mehr über die SAR Team Mitglieder und die Arbeit an Bord der AQUARIUS.