Das Team der AQUARIUS: Jonathan Gerecht, SAR Team

Das Team der AQUARIUS: Jonathan Gerecht, SAR Team

Jonathan Gerecht (Frankreich) – SAR Team

(Seit dem 9. April 2016 an Bord der Aquarius)

 

Jonathan Gerecht, 32 alt, ist seit dem 9. April 2016 Teil des Search and Rescue (SAR) Teams auf der AQUARIUS. Er wird bis zum 22. Mai an Bord bleiben. Während der drei Rettungen, die er seit Beginn seines Einsatzes miterlebt hat, war er entweder an Bord eines der kleinen Rettungsboote oder aber an Bord der AQUARIUS, wo er den Geretteten an Bord geholfen hat. So hat er sich inzwischen einen guten Überblick über die verschiedenen Tätigkeiten innerhalb des SAR Teams verschaffen können.

Jonathan kommt aus Marseille, Frankreich, wo er seinen Abschluss als erster Offizier der französischen Handelsmarine gemacht hat. Bis 2013 arbeitete er auf mehreren Schiffen und entschloss sich dann auf Schiffswerften und in Häfen zu arbeiten.

Jonathan-Gerecht

„Ich bin der Handelsmarine beigetreten, weil ich unterschiedliche Menschen treffen, viele Länder bereisen und dabei einfach segeln wollte. Ich hatte schon immer den Wunsch, an Bord eines Forschungsschiffes, beziehungsweise eines Schiffes zu gehen, das sich einer bestimmten Mission verschrieben hat. An Bord der AQUARIUS habe ich zum ersten Mal die Möglichkeit dazu gehabt.

Ich hatte bereits seit einiger Zeit mit dem Gedanken gespielt, ein humanitäres Projekt zu unterstützen. Diesen Februar dann habe ich im Newsletter “Mer et Marine” (dt. Meer und Marine) einen Artikel über die Ankunft der AQUARIUS in Marseille gelesen und daraufhin  SOS MEDITERRANEE kontaktiert. Ich fand die Initiative wirklich bemerkenswert, da ich ziemlich entsetzt war vom Umgang der Politik mit dieser „Krise“. Umso erfreuter bin ich nun, selbst meinen Beitrag leisten zu können und ein solches Projekt zu unterstützen. Eigentlich finde ich, dass es eine vollkommen normale Reaktion sein sollte, Menschen, die während der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben riskieren, zu helfen. Ich finde es sehr traurig, dass nicht viel mehr Anstrengungen unternommen werden, um diese Menschen zu retten. Das ist umso schockierender, als dass wir nach internationalem Seerecht sogar dazu verpflichtet sind, Menschen in Seenot zu helfen. Und die Tatsache, dass wir darüber tatsächlich noch Debatten führen, ist nichts weiter als eine Beleidigung der Menschenrechte.

Was ich auf der AQUARIUS wirklich schätze, ist die Vielfalt und die Offenheit der Menschen, die einem an Bord begegnen. Die sind nicht alle von der Marine. Man kann spüren, dass jede und jeder hier froh darüber ist, mit an Bord zu sein. Sie haben sich ganz und gar der Sache verschrieben und glauben an das, wofür sie hier sind. Das trägt zur angenehmen Atmosphäre auf dem Schiff bei. Es gibt einen starken Zusammenhalt.

Selbst an den Rettungen beteiligt zu sein, ist eine äußerst intensive Erfahrung. Für mich stellt es die interessanteste und bedeutungsvollste aller Marineaktivitäten dar. Einerseits ist da natürlich das maritime Wagnis mit all den Unvorhersehbarkeiten. In erster Linie aber geht es um Menschenleben, das ist kein Spiel, vielmehr braucht es eine ordentliche Portion Mut, aber auch Vorbereitung und Professionalität. Ganz davon abgesehen, haben die geretteten Menschen einiges durchlebt und wir sind dazu da, ihnen Trost zu spenden. ”