+++Eilmeldung: SOS MEDITERRANEE rettet 114 Menschen, sechs sterben+++

+++Eilmeldung: SOS MEDITERRANEE rettet 114 Menschen, sechs sterben+++

Marseille / Berlin / Rom

Dienstag, 15. November 2016


 

Tragische Rettung vor der libyschen Küste für SOS MEDITERRANEE
114 Menschen werden von bereits sinkendem Schlauchboot gerettet, sechs Menschen sterben

 

Das Team der Aquarius, dem von SOS MEDITERRANEE in Partnerschaft mit Ärzte ohne Grenzen gechartereten Rettungsschiff, hatte am gestrigen Nachmittag einen tragischen Einsatz: 30 Kilometer vor der libyschen Küste konnten 114 Menschen gerettet werden, sechs Menschen starben.

 “Nachdem der Notruf durch die Rettungsleitstelle in Rom am Mittag um 11.30 Uhr einging, nahmen wir sofort Kurs auf die Position des in Seenot geratenen Schlauchbootes” sagt Mathias Menge, Rettungskoordinator von SOS MEDITERRANEE. “Unmittelbar nachdem wir das Schlauchboot um 14 Uhr erreicht hatten, begannen wir Rettungswesten zu verteilen. Überlebende teilten uns später mit, dass ihr Boot die libysche Küste um zwei Uhr nachts verlassen hatte und bereits kurze Zeit später Leck schlug. Als die Aquarius eintraf, war das Schlauchboot bereits voll mit Wasser und began zu sinken. Wir haben getan, was wir konnten. Dennoch haben bei dieser tragischen Rettung sechs Menschen ihr Leben verloren.”

Nachdem die Aquarius das Schlauchboot erreicht hatte, begannen Menschen schreiend ins Wasser zu springen, viele von ihnen schrien und waren sichtbar traumatisiert. Ein Mann schaffte es ohne Rettungsweste zur AQUARIUS zu schwimmen. Unter den 114 Geretteten befinden sich 24 Minderjährige, darunter drei Kinder unter fünf Jahren sowie acht Frauen. Ein Massen-Unfallplan wurde in Anbetracht der Situation eingeleitet.

Als das Rettungsteam von SOS MEDITERRANEE am Unglücksort eintraf, entdeckten sie einen kleinen Jungen im Meer treiben, das Gesicht bereits unter Wasser. Das Team schaffte es ihn, direkt aus dem Wasser an Bord zu ziehen. “Der kleine Junge aus Kamerun, vielleicht zehn Jahre alt, war bewusstlos, nachdem er Wasser und Benzin geschluckt hatte”, berichtet Sarah Giles, Ärztin von Ärzte ohne Grenzen auf der AQUARIUS. “Glücklicherweise wurde er rechtzeitig gerettet und in die Notaufnahme an Bord der AQUARIUS gebracht.  Er war für zwei Stunden bewusstlos, konnte jedoch stabilisert und transportfähig gemacht werden. Es war ein harter Tag heute. Das medizinische Team hatte alle Hände voll zu tun, um die vielen Menschen, die medizinische Hilfe benötigten, zu versorgen.”

Viele Geflüchtete, teils bedeckt mit Öl und weinend, waren traumatisiert als sie an Deck kamen. Fünf Menschen wurden tot im Schlauchboot gefunden. Ihre Leichen befinden nun an Bord der AQUARIS. Eine Person konnte nicht gerettet werden, sie ertrank.

Um 19.30 Uhr wurden der kleine Junge und seine Begleitperson durch einen Helikopter der italienischen Küstenwache zur weiteren Notfallbehandlung evakuiert. Die anderen Patient*innen werden momentan an Bord der AQUARIUS versorgt. Sie weisen teils schwere Brandverletzungen und Unterkühlungen auf.

 “Niemand sollte solchen Bedingungen auf dem Meer ausgesetzt werden.” sagt Menge. “Der tragische Einsatz heute zeigt wieder einmal, wie gefährlich es ist, das Mittelmeer zu überqueren. Der heutige Tag zeigt einmal mehr die Notwendigkeit, den Rettungseinsatz auch im Winter aufrechtzuerhalten.” 

Seit Februar 2016 im Einsatz, ruft SOS MEDITERRANEE die europäischen Mitgliedsstaaten dazu auf, ein funktionierendes Seenotrettungsprogramm im Mittelmmer zu etablieren.

 

Photo credits : Susanne Friedel / SOS MEDITERRANEE

 

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