Gedanken aus dem Rettungsteam #1: Anabel Montes, Spanien

Gedanken aus dem Rettungsteam #1: Anabel Montes, Spanien

Ana Isabel Montes Mier war 9 Wochen an Bord der Aquarius, davon 6 Wochen als stellvertretende SAR-Koordinatorin. Sie kommt aus Spanien.

„Ich weiß nicht, wie ich die Momente, die ich an Bord der AQUARIUS erlebt habe, beschreiben kann. Es gibt keine Worte, die stark genug sind, um diese Situationen zu beschreiben. Was ich gelernt habe ist, dass du immer wieder von Dingen überrascht wirst. Und zwar ganz egal, wie viel du davor schon gesehen hast. Der bekannte Satz: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ gilt mehr denn je. Alles ist neu, jeder ist anders und hinter jeder Geschichte steckt so viel Leben. Wir können nicht wirklich verstehen, was da gerade passiert, aber wir versuchen etwas dagegen zu tun. Obwohl wir wissen, dass unsere Hilfe nur einen kleinen Schritt oder sogar nur einen kleinen Flicken in der ganz großen Geschichte der Menschen darstellt. Wir tun es dennoch. Weil wir fest an das glauben, was wir tun und wir unser ganzes Herzblut hineingeben. Und wenn du das tust, passiert etwas Gutes. Natürlich sollten diese Dinge überhaupt nicht passieren, aber was ich gelernt habe ist, selbst in den schlimmsten Situationen nach etwas Positivem zu suchen. Vielleicht hört es sich leicht an das zu sagen, weil ich die Wahl hatte und entscheiden konnte, ob ich an Bord gehe oder nicht. Aber wenn ich über meine Zeit auf der Aquarius spreche, spreche ich nicht nur über die negativen Erfahrungen und darüber wie hart es ist. Ich spreche auch über die Menschlichkeit, die ich erfahren habe und über die Hoffnungen und Träume der Menschen und wie sie dafür kämpfen. Ich habe so viele Dinge erlebt und mitgenommen. Aber ich denke das wichtigste, das ich bei all den Rettungseinsätzen, dem Alltag an Bord und von den Menschen gelernt habe ist, wie es ist, sich menschlich zu fühlen und zu lieben.“

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Text: Ana Isabel Montes Mier
Übersetzung: Theresa Kuschka
Photo: Fabian Mondl