Logbuch #37: „Ich möchte, dass seine Familie weiß, dass wir alles in unserer Macht stehende getan haben“

Logbuch #37: „Ich möchte, dass seine Familie weiß, dass wir alles in unserer Macht stehende getan haben“

„Ich möchte, dass seine Familie weiß, dass wir alles in unserer Macht stehende getan haben, um ihn zu retten. Es ist schmerzlich, dass er unter diesen Umständen gestorben ist, ohne die Anwesenheit seiner Familie und Freunde. Die momentane Situation im Mittelmeer ist untragbar”. Dr. Sarah Giles, Ärztin an Bord der AQUARIUS

Am späten Sonntagmittag wurde die AQUARIUS zu gleich zwei Seenotfällen ca. 44 nautische Meilen vor der libyschen Küste gerufen. Nach fast 24 Stunden auf offener See und schlechten Wetterbedingungen kam für einen der Flüchtenden jede Hilfe zu spät. Er starb an Bord der AQUARIUS. Zunächst war er noch mit den 241 anderen Geretteten an Bord gebracht worden. Die Rettung gestaltete sich aufgrund der einsetzenden Dunkelheit bereits äußerst schwierig. „Nachtrettungen sind immer komplizierter, weil die Menschen bereits länger unterwegs und daher geschwächter und verängstigter sind“, erklärt Mathias Menge, Rettungskoordinator an Bord der AQUARIUS. Gegen 02:00 Uhr nachts verlor der Mann jedoch plötzlich das Bewusstsein. Obwohl das medizinische Team von Ärzte ohne Grenzen umgehend Wiederbelebungsmaßnahmen einleitete, erlangte der Mann nie wieder das Bewusstsein. Um 02:50 Uhr wurde er für tot erklärt.

„Dieses tragische Ereignis erinnert uns daran, wie gefährlich die Überfahrt für Männer, Frauen und Kinder ist, die keine andere Wahl haben nach Europa zu gelangen, als von Libyen aus das Meer zu überqueren. Unsere Gedanken sind bei Familie und Freund*innen des Mannes, sowie der AQUARIUS-Crew, die alles in ihrer Macht stehende tat, um das Leben dieses Mannes zu retten“, kommentiert Klaus Vogel, Mitgründer von SOS MEDITERRANEE.

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Photo credits: Andrea Kunkl / SOS MEDITERRANEE