In eigenen Worten #6: „Das Einzige was wir möchten, ist in Frieden zu leben, wie andere auch“

In eigenen Worten #6: „Das Einzige was wir möchten, ist in Frieden zu leben, wie andere auch“

Zeugnis von M. und A.*, Sudan


M., 26, und A., 21, kommen aus der Darfur Region des Sudans. Die beiden Freunde haben sich als Erwachsene in Lybien kennengelernt, nachdem ihre Heimat vom Krieg zerrissen wurde. “Die Probleme fingen 2003 an,” sagt M. in Bezug auf die Rebellion, die in Darfur gegen Präsident Bashir ausbrach. “Ich griff zu keinen Waffen. Das war gar nicht nötig. Wenn man aus Darfur kommt, zählt man automatisch zu den Gegnern des Präsidenten und kann weder normal arbeiten, noch studieren. Bashir hat seine Wege uns anzugreifen, er hat Kriegsflugzeuge, er hat die Janjaweed Milizen, die ältere Menschen umringen und Frauen die Kehlen aufschlitzen – ohne Unterschied.” M., gelernter Schmied, verließ den Sudan in Richtung Libyen vor gut zwei Jahren. A., Maler, tat dasselbe vor circa einem Jahr. “Die Sahara Wüste zu durchqueren ist wie Lottospielen”, sagt M. “Manchmal schaffen es alle, manchmal sterben ein oder zwei Leute und manchmal werden alle umgebracht. In meinem Fall fuhr der Fahrer 200 km/h und ich habe um mein Leben gezittert. Wir waren um die 30, und nur zwei kamen ums Leben.”
M. zahlte $2500 für das Privileg, sein Leben in der Wüste riskieren zu können. In den zwei darauffolgenden Jahren arbeitete er hart, um die $2300 für die Fahrt über das Mittelmeer anzusparen.
“Man kann dort [in Libyen] mit Sudanesen oder Libyern arbeiten. Oft zahlen die Libyer einen aber nicht.”

M. und A. sehen die Fahrt über das Mittelmeer als ihre einzige Wahl: “Wir können nicht zurück in den Sudan. Sie würden uns ins Gefängnis stecken. Im Norden ist die Regierung von Bashir und im Süden wütet ein Krieg. Da, wo wir herkommen, ist nichts – nur Wüste. Das einzige was wir möchten ist in Frieden zu studieren und zu leben, wie so viele andere auch.”

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*Zum Schutz der betroffenen Personen und ihrer Familien wurden die Namen von der Redaktion geändert.
Protokoll: Ruby Pratka
Übersetzung: Lea Main-Klingst
Foto: Yann Merlin / SOS MEDITERRANEE