In eigenen Worten #7: Mamadous Geschichte

In eigenen Worten #7: Mamadous Geschichte

Zeugnis von Mamadou*


Mamadou, 35, erreichte Sizilien an Board der Aquarius am Donnerstag morgen. Freunde von ihm aus dem Norden der Elfenbeinküste hatten nicht so viel Glück. „Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was ich in Libyen gesehen habe. Unschuldige Menschen wurden gekidnappt und zu harter Arbeit gezwungen. Sie schlugen uns auf auf die Fußsohlen, sie schlugen uns mit Kabeln. Ich habe Narben von Auspeitschungen auf dem Rücken. Aber das Einzige, das mir wirklich weh tat, war der Verlust meiner Freunde.“

Während Mamadou in einem libyschen Gefängnis war, brachen drei seiner Freunde in einem überfüllten Schlauchboot übers Meer auf. Ab da – Stille.

Er ist sich sicher, dass sie zu drei der tausenden namenlosen Opfer der Migrationskrise wurden.

„Seit Wochen hat niemand von ihnen gehört. Ich wusste nicht mal, dass sie losgefahren waren. Ich kenne ihre Mütter. Eine von ihnen erzählt immer noch jede Woche in der Moschee, dass sie einen Sohn in Italien hat, der sie nie anruft.

Wenn ich in Italien ankomme und mich eine der Mütter anruft, was soll ich ihr erzählen?“

„Wir kennen das Risiko. Bei uns hat man Fernsehen. Wir schauen uns Videos von Booten, die kentern, an, auch von den richtig großen Booten. Ich kann anderen Menschen nicht raten, zu tun, was ich getan habe. Aber wenn du erzählst, dass die Zustände in Libyen nicht gut sind, dann glauben sie dir nicht. Und wenn sie dann kommen, ist es zu spät. Wir laufen vor dem Krieg in der Heimat davon und erreichen den nächsten in Libyen. Und was machen wir dann?“

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*Name von der Redaktion geändert.
Text & Übersetzung: Ruby Pratka
Photo: Yann Merlin

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