Logbucheintrag #18: Hemmschwellen überwinden

Logbucheintrag #18: Hemmschwellen überwinden

Gestern konnte die Aquarius 96 Menschen retten, unter ihnen 75 Männer, 18 Frauen und 3 kleine Mädchen unter 10. Die Rettung verlief ohne Schwierigkeiten und das MSF-Team versorgte die Flüchtlinge danach mit  Tee und Couscous. Die Menschen fanden schnell einen Platz an Deck, breiteten ihre Decken aus, trockneten ihre nasse Kleidung und tauschten ihre Erfahrungen aus.

Wie meist gruppierten sie sich nach Sprache oder Alter. Die MSF- und SOS-Mitarbeiter beantworteten gerne die neugierigen Fragen. Crew-Mitglieder der Aquarius aus Ghana freuten sich Flüchtlinge aus Westafrika kennenzulernen, die die gleiche Sprache sprachen.

Dann plötzlich verstummte das Stimmen- und Sprachengewirr und alle Passagiere eilten auf eine Seite des Schiffes. Für einen kurzen Augenblick hatten wir Angst, dass etwas Schreckliches passiert sein könnte. Doch dann drang die unverwechselbare Stimme der MSF-Krankenschwester Mary Jo durch das leise Gemurmel der Flüchtlinge: “Delfine, Delfine! Kommt her!”

Alle, Männer wie Frauen, Flüchtlinge wie Ärzte, egal, aus welchem Teil der Welt sie stammten und welche Sprache sie sprachen, kamen zusammen, um sich die vorbeiziehenden Delfine anzuschauen.

So leicht war es Hemmschwellen zu überwinden.  
Protokoll: Ruby Pratka
Übersetzung: Lea Main-Klingst
Foto: Yann Merlin / SOS MEDITERRANEE

 

Des jeunes soudanais fetent leur débarquement prochain pres du port de Lampedusa/Young men from Sudan celebrate as their arrival in Lampedusa approaches.

Junge Männer aus dem Sudan freuen sich über ihre sichere Ankunft, nachdem wir Lampedusa am Horizont entdecken können.

Unsere Passagiere werfen einen letzten Blick auf die Aquarius, bevor sie von der italienischen Marine an Land gebracht werden.

Unsere Passagiere werfen einen letzten Blick auf die Aquarius, bevor sie von der italienischen Marine an Land gebracht werden.