Mit dem Zeichenblock auf der AQUARIUS

Mit dem Zeichenblock auf der AQUARIUS


 

Drei Wochen lang begleiteten der Graphiker Peter Eickmeyer und die Texterin Gaby von Borstel das Team der AQUARIUS auf ihren Rettungseinsätzen, um im Rahmen einer Graphic Novel über die Arbeit von SOS MEDITERRANEE zu berichten. Hier erzählen sie von ihrem Einsatz an Bord.

 

SOS MEDITERRANEE Bremer Landesvertretung Berlin

Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer bei einer Unterstützungsveranstaltung für SOS MEDITERRANEE. Photo credits: Laurin Schmid.

 

Herr Eickmeyer, Frau von Borstel, Sie waren jetzt drei Wochen mit an Bord. Was haben Sie erlebt?

G. v. B.: Vor allem haben wir den Alltag, bestehend aus Warten, Suchen, hoffentlich Finden und Retten miterlebt.

P. E.: Jede dieser Tätigkeiten birgt eine Vielzahl an notwendigen Vorkehrungen und natürlich auch an Emotionen. Deshalb war es besonders beeindruckend, wie organisiert das Davor, die Rettung selbst und das Danach sind.

G. v. B.: Während unserer Zeit an Bord wurden drei Rettungen und zusätzlich mehrere Transfers von anderen Schiffen durchgeführt, so dass insgesamt über 1.200 Menschen an Bord genommen und medizinisch betreut wurden.

 

 

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Wache halten und warten © Peter Eickmeyer

Gab es ein Ereignis, welches einen besonderen Eindruck hinterlassen hat?

P. E.: Generell zehren die Rettungseinsätze immer sehr an den Nerven. Sind wir rechtzeitig an Ort und Stelle? Wie viele Menschen befinden sich an Bord? Bricht vielleicht eine Panik aus?

Einen der Einsätze habe ich jedoch als besonders dramatisch empfunden, weil dieser nachts und damit unter zusätzlich erschwerten Bedingungen stattfand.  Das Maritime Rescue Coordination Center Rome (MRCC Rom) hatte uns schon während des Tages über mehrere gesichtete Schlauchboote informiert. Die Insassen eines Schlauchbootes konnten gerettet werden, aber ein weiteres blieb unauffindbar. Dass dieses Boot trotz der Widrigkeiten doch noch gefunden wurde und alle Personen an Bord genommen werden konnten, war beileibe nicht selbstverständlich.

 

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Skizze vom Koordinator des Search and Rescue Teams © Peter Eickmeyer

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Das Search and Rescue Team der AQUARIUS © Peter Eickmeyer

 

Wie können wir uns Ihre Arbeit an Bord vorstellen?

P.E.: Aus den Erlebnissen während dieser Fahrt entsteht eine Graphic Novel. Aus dem Zusammenspiel dieser Eindrücke soll eine Comic-Reportage entstehen, die die Arbeit von SOS MEDITERRANEE, die RetterInnen und die Geretteten gleichermaßen porträtieren soll. Auch die Geflüchteten, die in der medialen Berichterstattung entpersonalisiert werden und selten zu Wort kommen, sollen Gehör finden. Deshalb war es vor allem wichtig, die Ereignisse graphisch und schriftlich festzuhalten. Dazu haben wir u.a, Interviews mit Geretteten und Teammitgliedern geführt.

G. v. B.: Diese und unsere Erlebnisse an Bord bilden die Grundlage für die Texte, die im Zusammenspiel mit Peters Bildern einen Einblick in das Geschehen geben sollen. Warum und unter welchen unmenschlichen Bedingungen Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen.

Zeitgleich zu unserem Aufenthalt auf der Aquarius habe ich mehrere LogbucheinträgeLogbucheinträge (#20/ #21 / #23) erstellt, welche die Situation an Bord wiedergeben.

P. E.: Selbstverständlich haben wir auch während der Rettungen mit angepackt.

 

 

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Die AQUARIUS in Einsatzbereitschaft © Peter Eickmeyer

 

Seit einigen Tagen sind Sie wieder an Land. Wie geht es nun weiter?

G. v. B.:Wir werden unser Material sichten und strukturieren. Dann wird die ganze Fahrt – vom ersten Auslaufen bis zur Rückkehr nach Italien – anhand von Bildern und Begleittexten erzählt. Unsere Graphic Novel mit dem Titel „Liebe deinen Nächsten“ wird im April 2017 im Splitter Verlag erscheinen. Ein Teil des Erlöses geht an SOS MEDITERRANEE.

P. E.: Zudem sind bereits vier Ausstellungen in konkreter Planung. Auch hier wird ein Teilerlös der verkauften Bilder an SOS MEDITERRANEE gehen.

 

Darauf sind wir schon sehr gespannt und möchten uns an dieser Stelle nochmal herzlich für Ihre Unterstützung bedanken. Eine Frage haben wir noch: Was genau hat sie dazu bewogen, über die Arbeit von SOS MEDITERRANEE und die Rettungseinsätze der MS AQUARIUS zu berichten?

P. E.: Wir haben die Arbeit von SOS MEDITERRANEE im November 2015 in Osnabrück bei einem Vortrag von Klaus Vogel, dem Gründer von SOS MEDITERRANEE Deutschland, kennengelernt.

Mit beeindruckenden einfachen Sätzen hat Klaus Vogel seine Beweggründe zur Gründung von SOS MEDITERRANEE dargestellt:

Was bin ich? Kapitän.
Was sehe ich? Menschen ertrinken.
Was tue ich? Ich besorge mir ein Schiff und rette sie.
Dieses konsequente Engagement hat uns sehr beeindruckt.

G.v. B.: Nachdem wir uns mehr über Migration über das Mittelmeer informiert hatten, überlegten wir, was wir von unserer Seite tun konnten. Wir hoffen mit einer Graphic Novel das Thema auch von einer etwas anderen Perspektive aus anzugehen. Das heißt, an das kulturelle humanitäre Selbstverständnis der Menschen in Europa zu appellieren.

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